Landtagswahl NRW

So schnitten Kraft und Laschet in ihren Wahlkreisen ab

Zehn von 14 Mitgliedern der letzten NRW-Landesregierung haben sich am 14. Mai 2017 erneut zur Wahl gestellt. So haben die Kandidaten von SPD und Grünen, sowie der CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet in ihren Wahlkreisen abgeschnitten.

Von Clemens Boisserée, Christina Rentmeister und Phil Ninh

Armin Laschet ist der Gewinner des Abends - doch um seinen heimischen Wahlkreis musste der CDU-Spitzenkandidat lange bangen. Die Minister der Grünen erlebten in ihren Wahlkreisen desaströse Ergebnisse, während sich zwei SPD-Minister über ihre gewonnen Direktmandate in den Landtag retten können. Die Ergebnisse im Überblick.

Armin Laschet

Wahlkreis 2, Aachen II
CDU, Listenplatz 1
Spitzenkandidat

Der mutmaßlich kommende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, trat im Wahlkreis Aachen II an und musste lange um sein Direktmandat bangen. Es wurde ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit SPD-Frau Daniela Jansen, das erst nach Mitternacht entschieden wurde. Dabei drohte die Aachener Entscheidung für Laschet zum direkten Rückschlag nach dem großen Triumph zu werden: Bis in die Nacht blieb offen, ob die CDU mehr Direktmandate holt, als ihr laut Wahlergebnis zustünden. Für diesen Fall würde die Landesliste nicht mehr ziehen, Laschet müsste seinen Wahlkreis gewinnen, um sicher ins Parlament einzuziehen. Mit wenigen Hundert Stimmen Vorsprung gelang ihm letztlich genau das.




Die Ergebnisse der Erststimmen aus den Wahlbezirken der bisherigen Minister und Martin Schulz:

Hannelore Kraft

Wahlkreis 64 Mülheim I
SPD, Listenplatz 1
Ministerpräsidentin

Kraft gewann zwar ihren Ruhrgebietswahlbezirk souverän, verlor aber im Vergleich zur Wahl 2012 mehr als 15 Prozentpunkte.


Sylvia Löhrmann

Wahlkreis 34 Solingen I
Grüne, Listenplatz 1
Schulministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin

Sylvia Löhrmann zog als Spitzenkandidatin der Grünen in den Wahlkampf und kam auf ein denkwürdiges Ergebnis. Sie verlor fast die Hälfte ihrer Wähler.


Ralf Jäger

Wahlkreis 62 Duisburg III
SPD, Listenplatz 130
Innenminister

Der umstrittene Minister für Inneres und Kommunales stand auf der SPD-Landesliste auf dem letzten Platz - weil die Partei sich auf dessen Wahlkreis in Duisburg verlassen kann. Doch noch stärker als Hannelore Kraft, verlor Jäger auch im eigenen Revier an Zustimmung: Mehr als 18 Prozentpunkte weniger gab's für ihn.


Rainer Schmeltzer

Wahlkreis 116 Unna II
SPD, Listenplatz 46
Minister für Arbeit, Integration und Soziales

Anders als bei seinen Parteifreunde Kraft und Jäger hielten sich die Verluste für den Arbeitsminister in seinem Wahlkreis im Kreis Unna in Grenzen. Auch er wird dem künfitgen NRW-Landtag angehören, dann aber wohl in der Oposition.


Thomas Kutschaty

Wahlkreis 65 Essen I – Mülheim II
SPD, Listenplatz 129
Justizminister

Kutschaty stand auf dem vorletzten Platz der SPD-Landesliste und konnte sich ebenfalls auf sein Direktmandat aus dem Ruhrgebiet verlassen. Er verlor aber im Essener Nordwesten rund 13 Prozent.




Johannes Remmel

Wahlkreis 126 Siegen-Wittgenstein I
Grüne, Listenplatz 2
Umweltminister

In Siegen-Wittgenstein holten die Grünen um ihre Nummer zwei Johannes Remmel 2012 noch ein sattes zweistelliges Ergebnis. Fünf Jahre später wird auch der Umweltminister von den Wählern abgestraft, keine sieben Prozent erzielte Remmel in seinem Wahlkreis.


Svenja Schulze

Wahlkreis 81, Steinfurt I
SPD, Listenplatz 2
Ministerin für Wissenschaft und Forschung

Die bisherige Ministerin für Wissenschaft und Forschung hatte in ihrem konservativen Wahlkreis im Landkreis Steinfurt wie schon 2012 keine echte Chance - daher wird sie über die SPD-Landesliste in den Landtag einziehen.




Christina Kampmann

Wahlkreis 92, Bielefeld I
SPD, Listenplatz 5
Familien- und Kulturministerin

In Bielefeld konnte Christina Kampmann ihr Direktmandat souverän verteidigen, ihr hoher Listenplatz wäre daher gar nicht nötig gewesen.


Barbara Steffens

Wahlkreis 64, Mülheim I
Grüne, Listenplatz 3
Gesundheitsministerin

Die Grünen-Kandidatin trat im selben Wahlkreis wie Hannelore Kraft an und verzichtete weitestgehend auf Erststimmenfang. Dafür warb sie aktiv für grüne Zweitstimmen, die ihr wohl auch den Wiedereinzug in den Landtag sichern werden.


Horst Becker

Wahlkreis 25, Rhein-Sieg-Kreis I
Grüne, Listenplatz 6
Parlamentarischer Staatssekretär

Der Staatssekretär im Ministerium für Verkehr sicherte sein künftiges Landtagsmandat ebenfalls über einen hohen Listenplatz ab. Im Vergleich zur 2012er Wahl halbierten sich auch seine Stimmen beinahe.


So stimmte der Wahlkreis von Martin Schulz

Der SPD-Spitzenkandidat zur Bundestagswahl Martin Schulz stand auf Landesebene natürlich nicht zur Wahl, aber er wählte: Im Wahlkreis Aachen III in seiner Heimatstadt Würselen. Hier bekam die Direktkandidatin der Sozialdemokraten, Eva-Maria Voigt-Küppers, mit knapp 40 Prozent die meisten Stimmen.




Nicht zur Landtagswahl angetreten sind die folgenden vier SPD-Politiker

  • Norbert Walter-Borjans, Finanzminister, SPD
  • Garrelt Duin, Wirtschaftsminister, SPD
  • Michael Groschek, Verkehrsminister, SPD
  • Franz-Josef Lersch-Mense, Minister für Bundesangelegenheiten, SPD

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Von Clemens Boisserée (Recherche und Text), Christina Rentmeister (Recherche und Text), Phil Ninh (Design und Programmierung)


RP ONLINE, 11.08.2022

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